Was ist der Haschomer Hatzair?

Der Hashomer Hazair ("der junge Wächter") ist eine jüdische, sozialistische und zionistische Jugendbewegung.

Geschichte:

Gegründet wurde das Wiener Ken (Nest) der „jungen Wächter“ (übersetzter Name) 1913 in Wien.
Der Hashomer Hatzair hat seine Wurzeln in zwei Jugendbewegungen, die vor dem
1. Weltkrieg in Galizien entstanden, das damals zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte: Ze'irei Zion (die Jugend Zions) einer kulturell orientierten Bewegung und HaSchomer (der Wächter), einer Pfadfinderbewegung.

 

Jugendliche beim Straßenfest der IKGIdeologie:

Die Dibrot („Gebote“) des Haschomer Hatzair beschreiben die Haltung, den Charakter und die Weltanschauung des "idealen" Chawers (Mitgliedes) und bilden ein erstrebenswertes Ziel für alle Mitglieder unserer Tnua (Bewegung). Diese Dibrot wurden erstmals 1916 verfasst und befinden sich seitdem in einem langjährigen Erneuerungsrozess, an dem alle Länder teilgenommen haben erneuert. Hier findet ihr die letzte Version von Mai 2008, verfasst im Kibbutz (Kommunensiedlung) Cholit, in Israel:

 

Die 10 Dibrot

  1. Der Schomer ist ein Mensch der Wahrheit und steht auf ihrer Wacht
  2. Der Schomer ist ein integraler Teil des jüdischen Volkes und mit dem Staate Israel eng verbunden. Er/Sie ist seiner/ihrer Kultur verwurzelt und ein Chalutz unseres Judentums.
  3. Der Schomer findet Bedeutung in seiner/ihrer Beziehung zu Arbeit und kämpft für eine Welt, in der Arbeit eine produktive Ausdrucksform menschlicher Kreativität und Freiheit ist.
  4. Der Shomer ist politisch aktiv und ein Vorkämpfer im Streben nach Freiheit, Gleichberechtigung, Frieden und Solidarität.
  5. Der Schomer ist ein treuer und pflichtbewusster Chaver, der mit anderen zusammenarbeitet, für den Fortschritt der Gesellschaft kämpft und die schomrischen Werte vertritt.
  6. Der Schomer entwickelt aktiv und pflegt Beziehungen, welch bewusst, frei und ehrlich sind, sowohl innerhalb der Kwutza, als auch in der gesamten schomrischen Gemeinschaft. Er/Sie übernimmt die Verantwortung für seine/ihre Chaverim Sorge zu tragen.
  7. Der Schomer respektiert die Natur, sie ist ihm/ihr wichtig; er lernt sie kennen, lernt in ihr zu leben und handelt nachhaltig.
  8. Der Schomer ist mutig, unabhängig, denkt kritisch und handelt dementsprechend.
  9. Der Schomer stärkt seinen/ihren Charakter und strebt zu körperlicher, mentaler und spiritueller Ganzheit.
  10. Der Schomer ist von seiner/ihrer Vernunft geleitet und übernimmt volle Verantwortung für sein/ihr Handeln. Er/Sie setzt Dugma Ischit.

 

Ziele

: Zur Gründungszeit der Bewegung war das Ziel natürlich die Alija („Aufstieg“/Auswanderung nach Israel). Die Jugendlichen des Shomers (abk.) wurden dazu vorbereitet und das damalige Palästina zu unterstützen und bei dessen Aufbau mitzuwirken. Nach der Gründung des Staates Israel 1948 konnten diese Shomrim ihr Erlerntes beweisen, indem viele nach Israel auswanderten.
Heute versuchen wir nicht mehr die Shomrim davon zu überzeugen nach Israel zu ziehen, sondern ihre jüdische Identität und das Zugehörigkeitsgefühl zu Israel zu stärken.

 

Was macht der Hashomer Hatzair?

Jeden Samstag treffen wir uns um 15:00 Uhr im „Ken“ (Nest) und verbringen den Nachmittag miteinander.
Von 15°°-17°° haben wir meistens Peulot (Akitvitätsstunden), in denen die Madrichim (Gruppenleiter) mit den Chanichim (Schützlingen/Kinder) in ihrer Kwutza (Altersgruppe) verschiedene Themen diskutieren, Projekte planen und ausführen oder einfach nur gemeinsam spielen und rumhängen. In diesen Peulot werden unter Anderem sehr oft die heutige Situation Israels diskutiert, ihre Geschichte oder die des Shomers behandelt, unsere Ideologie weitergegeben und auch andere aktuelle Themen durchgenommen.
Von 17°°-19°° finden meistens Aktivitäten mit allen Mitgliedern der Organisation zusammen statt, wie zum Beispiel israelische Tänze und Lieder lernen, bei gutem Wetter Sport im Freien oder andere Chugim (Workshops). Oft gibt es auch ein Abendprogramm, das von den Bogrim (Leitergruppe) organisiert wird und meist mit einem Theaterstück beginnt und von einem lustigen Spiel gefolgt wird - hier lassen die Organisatoren ihrer Fantasie freien Lauf: von „Millionenshow“ über Rätselralleys in der Innenstadt, Stationenbetriebe und Wettbewerbe bis zu Theaterstücken und Simulationsspielen sorgen wir jede Woche für Abwechslung, Spannung und Spaß!

Zu Pfingsten, in der ersten Sommerferienwoche, im Herbst (Oktober/November) und in den Winterferien im Dezember organisieren wir „Tijulim“ (Ausflüge) und „Machanot“ (Winter-/Sommerlager), die zwischen 3 und 10 Tagen dauern und immer die absoluten Höhepunkte des Jahres sind.

 

Warum Shomer?


Beinahe ein Jahrhundert gibt es den Shomer schon – somit ist er älter als alle Menschen, die wir kennen, als Demokratie in Österreich, als Israel, und als alle anderen jüdischen Jugendorganisationen in Österreich. In seinem langen Leben hat der Shomer viele Veränderungen durchgemacht, Schicksalsschläge ertragen, Generationen von Chanichim erlebt – und hat sich dabei stetig weiterentwickelt. Unsere Bewegung ist im hohen Alter kein bisschen träge und angepasst geworden – im Gegenteil: Wir sind noch immer anders als die Anderen – und das ist gut so!

Was uns besonders macht – und warum du mitmachen solltest!

- Der Shomer ist eine Bewegung – rund um den Globus: In 17 Ländern gibt es schon Kenim und ständig werden es mehr! So treffen sich z.B. in Italien Shomrim in vier Städten (Rom, Mailand, Florenz, Turin)! Wir Wiener Chanichim haben Freunde in Argentinien, Australien, Belgien, Bulgarien, Brasilien, Chile, Frankreich, Italien, Israel, Mexiko, der Schweiz, der Ukraine, Ungarn, Uruguay, Venezuela, USA, Kanada und Weißrussland.
Auf internationalen Seminaren lernen wir uns kennen, tauschen uns aus und bleiben ein Leben lang in Kontakt.

- Der Shomer ist eine Bewegung – die nicht stehen bleibt: Unsere Ideologie ist uns sehr wichtig. Deshalb wollen wir, dass diese stets der Zeit und den Menschen entspricht. Unsere ideologischen Grundwerte müssen sich im ständigen Diskussionsprozess beweisen und Veraltetes wird sorgfältig modernisiert. Auch unsere Traditionen, auf die wir sehr großen Wert legen, machen Sinn und entsprechen unseren heutigen Ansprüchen.

- Der Shomer ist eine Familie – für alle: Wer sich mit den Werten des Shomers identifiziert und sich bei uns wohl fühlt, gehört zu uns.
Wir sprechen viele Sprachen, doch im Shomer verstehen wir uns.
Wir sind verschieden erzogen, doch im Shomer lernen wir das Gleiche.
Wir haben unterschiedliche Meinungen, doch im Shomer können wir diskutieren.

- Der Shomer ist eine Familie – für immer: Die meisten Shomrim bleiben ein Leben lang enge Freunde. Unsere Aktivitäten schweißen die unterschiedlichsten Menschen zusammen. Wir entdecken Gemeinsamkeiten aneinander, die wir sonst nie gefunden hätten. Wir haben beinahe rund um die Uhr Spaß miteinander. Wir respektieren einander und legen großen Wert darauf, den Frieden in unserer Gemeinschaft zu bewahren.

- Der Shomer lernt – und lehrt: Nachdenken, diskutieren, sich eine Meinung bilden, Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen, handeln, verbessern, offen, tolerant und kritisch sein, Gegebenes hinterfragen, Ungerechtigkeiten aufzeigen, sich wehren, seine Meinung sagen, anderen helfen, Rückgrat zeigen, ein Shomernik sein.
Wir lernen voneinander, was es heißt, ein Mensch zu sein, auf den man zählen kann. Ein fundiertes Grundwissen über alte wie neue Themen gehört ebenso dazu wie das Anregen zum selbstständigen Weiterdenken: Von Judentum über Shomer-Ideologie und Geschichte Israels bis zu aktuellen politischen Ereignissen und neuesten Erfindungen reichen unsere Themenblöcke.